Alexander Gil

Anfangs war er vom Kontrabass fasziniert, dieser erschien ihm als König aller Instrumente. Das Christkind aber brachte dem kleinen Alexander Gil eine Gitarre. Daraus entwickelte sich seine Passion – und mit der väterlichen Heimat die Liebe zur spanischen Musik.

Alexander, Dein Name und deine Musik klingen spanisch. Woher kommt deine Passion zur Musik und zur Gitarre?

 

Da mein Vater Spanier ist, bin ich mit dieser Musik sozusagen verwurzelt. Spiele ich spanische Musik, habe ich das Gefühl, etwas näher an meiner zweiten Heimat zu sein. Obwohl ich in der Schweiz aufgewachsen bin, hat das spanische Blut wahrscheinlich manchen Charakterzug beeinflusst. Die lange Tradition des Gitarrenbaus in Spanien ist weltweit bekannt, daher verbinden die meisten Menschen die klassische Gitarre mit spanischer Musik – und wollen sie deshalb auch hören.

 

Aber wie wurdest du zu zum Musiker, der du heute bist?

 

Meine Passion zum Gitarrenspiel entwickelte sich sehr früh. Da war mein Grossvater, der mir Lieder – vor allem von Elvis Presley – vorsang und sich selber begleitete. Dann hatte ich das grosse Glück, dass mein Nachbar auch der erfahrenste Gitarrenlehrer im Dorf war. So erhielt ich mit drei Jahren meine ersten Lektionen. Eigentlich war ich anfangs vom Kontrabass fasziniert, das Instrument kam mir wie der König aller Instrumente vor. Das Christkind aber brachte mir eine Gitarre. So ging ich mit meinen Eltern einen Deal ein: Lernte ich richtig Gitarre spielen, dürfe ich später auf den Kontrabass umsteigen. Der Kontrabass war bald vergessen und ich verliebte mich in die Gitarre. Selbst wenn ich keine Gitarre zur Hand hatte, nahm ich den Tennisschläger, der zuhause rumstand, oder die Duploklötze und baute mir eine Art Gitarre und tat so, als würde ich spielen. Ich kann mich an keine Zeit ohne Gitarre erinnern, was davor war, kenne ich nur aus Erzählungen meiner Familie.

 

Mit drei Jahren hast du mit dem Gitarrenspiel begonnen und mit 15 dein erstes Musikstück komponiert. Was bevorzugst du, interpretieren oder komponieren?

 

Mich faszinieren beide Seiten. Ich glaube, jeder Musiker hat irgendwann den Wunsch, seine eigene Musik zu kreieren, am besten etwas noch nie zuvor Gehörtes … Das ist bei all den grossen Komponisten der Musikgeschichte fast unmöglich. Ich habe mich nie als Komponisten bezeichnet. Meine wenigen Kompositionen entstanden aus einer Art Improvisation am Instrument. Mir fehlt das kompositorische Handwerk. Und der Respekt ist gross, etwas zu veröffentlichen, da man sich unweigerlich mit den grossen Komponisten vergleicht. Manchmal fragt man sich: Was soll ich denn noch komponieren, wenn es so viele wunderbare Musik von Genies wie Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven gibt, um nur einige zu nennen? Interpretiere ich bereits vorhandene Werke, ist es, als könnte ich diesen Komponisten eine Ehre erweisen, indem ich ihre Genialität nach so vielen Jahren, oft Jahrhunderten wieder zum Leben erwecke. Es werden ja noch immer Meisterwerke entdeckt, die Jahrzehnte verschwunden waren, und die jemand interpretieren muss, damit die Gesellschaft diese überhaupt kennenlernen kann.

 

Du konzentrierst Dich also aufs Interpretieren und Improvisieren.

 

Bisher hat sich meine Ausbildung auf das Interpretieren verschiedener musikalischer Epochen fokussiert, doch ich schliesse nicht aus, dass ich mich irgendwann auch intensiver mit dem Komponieren beschäftigen werde. Schaut man in der Musikgeschichte zurück, konnten alle grossen Komponisten auch hervorragend interpretieren und improvisieren. Es sollte also möglich sein, alle drei Zweige zu beherrschen und bei Bedarf auch zu verbinden. Ich bin überzeugt, dass es noch viel zu entdecken gibt, und weiss daher nicht, in welche Richtung sich meine musikalische Laufbahn entwickeln wird.

 

Wie bist du mit der Pandemie-Situation klargekommen?

 

Ich hatte über ein Jahr kein Solokonzert. Da ich immer wieder Videos für Wettbewerbe und meinen Master aufnehmen musste, blieb die Motivation zum Üben konstant. Mir schien es wichtig, immer mehrere Ziele vor Augen zu haben. Ich kenne leider viele Kolleginnen und Kollegen, deren  finanzielle Situation bedrückend war und die bis heute psychisch darunter leiden, dass sie keine realistischen Zukunftsperspektiven sehen. Musiker zu sein ist nicht nur ein Beruf, sondern ein Lebensstil. Eine Laufbahn, die man ähnlich wie ein Profisportler meist sehr früh ins Auge fasst und über Jahre nach und nach ins Rollen bringt.

 

Was hat dir der Auftritt im Mittendrin-Projekt bedeutet nach so langer Zeit ohne öffentlichen Auftritt, ohne Publikum?

 

Es war ein besonders aufregendes Konzert. Es ist wichtig, einen guten ersten Auftritt zu haben, damit man sich im Rampenlicht wieder wohlfühlt und diese positiven Erfahrungen in die nächsten Konzerte mitnimmt. Die intime Atmosphäre macht diese Konzertreihe besonders attraktiv: für das Publikum wie für die Musiker und Musikerinnen. Dass dazu ein professionelles Video gedreht wird, ist eine geschenkte audiovisuelle Visitenkarte.